Erstes Projekt installieren und ausführen

Was ist Lazarus?

1. Projektgeschichte

Im Februar 1999 gründeten drei Entwickler Lazarus, nachdem das Delphi-Klon-Projekt Megido eingestellt wurde. Die zentralen Entwickler Marc Weustink und Mattias Gaertner stießen nacheinander zwischen 1999 und 2000 zum Projekt und leiteten die Kernentwicklung. Das ursprüngliche Gründungsteam kümmert sich heute nicht mehr um die Wartung.

2. Kerndefinition

Lazarus ist eine plattformübergreifende Delphi-kompatible IDE für Free Pascal mit der LCL-Komponentenbibliothek, die mit Delphis VCL kompatibel ist. Gestützt auf den GPL-lizenzierten Free Pascal-Compiler unterstützt es Betriebssysteme wie Windows, Linux und macOS und folgt vollständig der objektorientierten Syntax von Delphi.

Kernmerkmal: Im Gegensatz zu Java „Einmal schreiben, überall ausführen“ realisiert es „Einmal schreiben, überall kompilieren“ – native Binärdateien für mehrere Plattformen lassen sich ohne Quellcodeänderungen erstellen.

3. GUI-Eigenschaften

Es ist vollständig unabhängig von Grafik-APIs und erlaubt das freie Wechseln der zugrundeliegenden Widget-Sätze wie Win32, GTK2, Qt, Cocoa. Fehlt eine passende Schnittstelle, können eigene Steuerelemente entwickelt werden. Für die plattformübergreifende Portierung muss der Geschäftslogik-Code nicht angepasst werden; es genügt, die entsprechende Grafikbibliothek für Kompilierung und Linkung auszutauschen.

4. Entwicklungsfunktionen und Kompatibilität

1. Es bietet eine RAD-schnelle visuelle Entwicklungsfunktion vergleichbar mit Delphi, eine voll ausgestattete IDE, die den meisten Entwicklungsanforderungen gerecht wird;

2. Es ist mit standardisiertem Delphi-Code kompatibel, unterstützt aber Windows-spezifische OCX, DCU und proprietäre Datenbankkomponenten nicht.

5. Gewerbliche Lizenzierung

1. Free Pascal Compiler (GPL): Quellcodeänderungen sind erlaubt; bei der Verteilung abgeänderter Builds müssen alle Änderungen am Quellcode offengelegt werden;

2. FCL/LCL-Bibliotheken (modifizierte LGPL): Man kann quellgeschlossene kommerzielle Software entwickeln und verkaufen, ohne den eigenen Projektcode offenlegen zu müssen. Nur wenn man die zugrundeliegenden Bibliotheken selbst verändert, müssen die Änderungen veröffentlicht werden.

6. Herkunft des Projektnamens

Der Name stammt von Lazarus, der im Bibel auferstandene Figur, und symbolisiert, dass dieses Projekt die wiederbelebte Nachfolgeversion des eingestellten Megido-Projekts ist.

Installation

Laden Sie die neueste Version von der offiziellen Webseite herunter: Lazarus Homepage

Die in dieser Anleitung verwendete Version ist lazarus-4.8-fpc-3.2.2-win64.exe. Doppelklicken Sie nach dem Download die Installationsdatei.

Installationsverzeichnis auswählen

Erstes Projekt erstellen

Starten Sie die Lazarus IDE nach abgeschlossener Installation

Beim Start werden standardmäßig mehrere separate Fenster geöffnet: eins für Menü und Symbolleiste, ein linkes Seitenfenster und der Quellcode-Bearbeitungsbereich.

Beim Start wird automatisch ein leeres Projekt angelegt

Klicken Sie auf das grüne Dreieck zum Ausführen oder drücken Sie die Taste F9.

Das ist Ihr erstes Projekt: Es öffnet ein leeres Fenster ohne selbst geschriebenen Code.

Kurzübersicht der zentralen Lazarus-Funktionen

1. Lizenz und Freiheitsmerkmale

Die Kernbibliotheken (LCL/FCL/RTL) unterliegen der LGPL-Lizenz mit Ausnahme für statisches Linken und erlauben die Erstellung quellgeschlossener kommerzieller Software; die IDE selbst steht unter GPL. Es lassen sich native Programme ohne Laufzeitabhängigkeiten kompilieren (Linux/BSD benötigen nur grundlegende GTK2/Qt-Bibliotheken). Projekte können unverändert kopiert und für alle Plattformen kompiliert werden.

2. Einfach zu bedienen und hocheffiziente Entwicklung

Einklick-Installer, integrierter visueller Formular-Designer mit automatischer Synchronisation von GUI und Quellcode. Ausgestattet mit Syntaxhervorhebung, Codevervollständigung, Codenavigation, Refaktorisierungswerkzeugen sowie integrierter Kompilierung und Debugging – der gesamte Entwicklungs-, Test- und Fehlerbehebungsprozess läuft in einem Tool ab.

3. Hohe Erweiterbarkeit und reichhaltige Funktionsvielfalt

Vollständig quelloffen, Quellcode und Komponenten lassen sich frei anpassen; Drittanbieter-Erweiterungen werden per LPK-Plugin-Paket installiert. Es integriert Frameworks für Datenbanken, Diagramme/Berichte und Netzwerkentwicklung, unterstützt nativ UTF-8-Mehrsprachigkeit und verfügt über eine reichhaltige Komponentenökosystem.

4. Vollständige Plattformunterstützung

Sowohl die IDE als auch kompilierte Programme laufen plattformübergreifend auf Windows, macOS, Linux, Raspberry Pi und weiteren Geräten. Die LCL-Bibliothek sorgt für systemeigene Benutzeroberflächen ohne Änderungen am Projektcode für Mehrplattform-Kompilierung.

5. Hohe Leistung und moderne Syntaxunterstützung

Gestützt auf den ständig weiterentwickelten FPC-Compiler bietet es starke Leistung auch für Großprojekte (die Lazarus IDE wurde selbst mit diesem Werkzeug erstellt). Basierend auf objektorientiertem Free Pascal werden kontinuierlich moderne Programmierfunktionen ergänzt, das Plugin-Ökosystem ist umfangreich und die Schwelle für eigene Erweiterungen gering.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert